Diktatur oder Demokratie: Die Wahrheit aller Wahrheiten?

Intelligenzlücke als Marktkonzeption eines theatralischen Gesamtkunstwerks - Oder der Anfang eines Endes, das eigentlich noch nie richtig begonnen hat?

 

Kennen Sie den Spruch: Je mehr sich unsere Bekanntschaft mit guten Büchern vergrößert, desto geringer wird der Kreis von Menschen, an deren Umgang wir Geschmack finden? Man merkt. Die Monarchie, der Staat und die Kirche ist eine wunderbare Institution, aber wer möchte schon in einer Institution leben?

 

Von wegen, Individualismus bedeutet, dass man alles tut, was alle anderen tun – bloß einzeln. Das ist eine der vielen wunderschönen Illusionen bei Facebook. Ich schreibe und erzähle das, was ich mir eigentlich nicht leisten kann. Ich gehöre dazu. Ich habe es geschafft – den Aufstieg auf Zeit.

 

Es ist ein Kommentar aus einer anderen Zeitepoche, der zeigt, was sich durch den digitalen Marktdurchbruch tatsächlich verändert hat und was nicht. Auf den Punkt gebracht: Das Internetportal Facebook macht eindeutig seine Geschäfte mit dem Defizit an Lese- und Schreibkompetenz, indem es den Konsumenten jede Albernheit und jede Geistesschwachheit ablauert.

 

Mark Zuckerberg, Gründer der unlängst ausgeuferten Luftblase, hat eigentlich wenig Grund richtig Stolz zu sein. Seine Rhetorik: Die Leute kommen zu Facebook, um eine andere Welt zu sehen. Ihre Welt. Die bessere Welt. Wo Dummköpfe, Arbeitslose und Bettler nicht vorkommen. Eisessen, Cola trinken, Hunde und Rauchen sind erlaubt – wenn auch nicht erwünscht, damit sich die meisten Gäste wohlfühlen.

 

Konjunktive schwinden aus den schriftlichen Arbeiten ebenso wie zunehmend alte Zeitformel jenseits des Präsenz. Das Wagnis, ein komplexeres Satzbau Gefüge zu bilden, endet regelmäßig in peinlichen Niederlagen. Der aktive Wortschatz schrumpft auf wenige hundert Ausdrücke, die penetrant wiederholt werden. Und das wohl allerschlimmste: Schriftliche Arbeiten und Denkanstöße sind oft von einer erschreckenden Schwäche gekennzeichnet, eigene Gedanken auszudrücken oder Argumente vorzubringen.

 

Moment ich bin noch nicht fertig. Auch das Fachwissen geht zurück, und die Allgemeinbildung ist bei manchen Facebook User ebenfalls erschreckend, wenn nicht gleich Null!

 

Am Ende des Weges?

 

Oder nur Ausdruck verzweifelter Hilflosigkeit?

 

Einige glauben, der zweite Weltkrieg habe im 19. Jahrhundert stattgefunden. Kein Zweifel. Das Niveau sinkt. Das Phänomen ist jedoch relativ neu. Die Facebook & Co Blogger kommunizieren auf eine Art, die dem sorgfältigen Lesen und Schreiben im Wege steht. Damit meine ich vor allem Kurznachrichten per SMS und Twitter. Die können sich kaum noch längere Zeit auf eine Sache konzentrieren. Ihr Manko ist ihnen zwar bewusst, trotzdem scheint die Facebook User den Anspruch an akademischer Sorgfalt zu nerven.

 

Natürlich. Ich habe auch Reaktionen von Kollegen aus anderen Fachgebieten bekommen: Ingenieure können nicht mehr ohne Taschenrechner rechnen, Architekten können nicht mehr zeichnen, und Mediziner können keinen Arztbericht mehr formulieren. Man müsste dies einmal systematisch untersuchen. Die sind ja nicht dümmer als andere Generationen. Viele wissenschaftliche Aufsätze strotzen zudem vor Unverständlichkeit. Da mag zwar die Syntax stimmen, sprachlich quälen die aber enorm.

 

Damit bin ich nicht allein, und diese Großzügigkeit der Prüfungsordnung könnte sich noch als schwerer Fehler erweisen. Verheerende Auswirkungen schreibe ich dem zutiefst inhumanen und leistungsfeindlichen Noten- und Tempo Fetischismus unseres veralteten Schulsystem zu, das ihn mit dem systemimmanenten Anreiz kombiniert, harte Leistungsfächer bzw. anspruchsvolle Pädagogen durch weiche Fächer, bzw. schwache Lehrer – d die gute Noten vergeben, um sich selbst zu schützen – zu ersetzen.

 

Das hört sich dramatisch an. Ist es auch. Da führt einfach kein Weg daran vorbei. Für Leser wie mich ist es nicht leicht nachzuvollziehen, wie Facebook & Co in diesem Milieu recherchiert. Reicht das aus, um mit Bismarck, Adenauer oder gar dem Welten Vernichter Hitler in einem Atemzug genannt zu werden?

 

Im Übrigen bedient Facebook nichts anderes als Neugier, sowie niedere Klatsch- und Tratschsucht. Das ganze Ausmaß dieser unüberschaubaren Provinzpose aus Lug und Betrug wird in 10 Jahren zu sehen sein, denn die Vorgehensweise der beteiligten Akteure ist an Naivität in Sachen FAKE NEWS nicht mehr zu übertreffen.

 

Johannes Ochse'Bierg